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Wizz Air: “Wir haben langfristige Pläne”

Die ungarische Low Cost Airline Wizz Air zählt zu den schnellst wachsenden Fluglinien in Europa. Mehr als 200 neue Flugzeuge aus dem Hause Airbus sind bestellt und geht es nach den Wünschen des Firmengründers Jozsef Varadi, so kann die Expansion der Fluglinie gar nicht schnell genug voran gehen. Martin DICHLER sprach anlässlich der Eröffnung des neuen Crew Trainingscenter in Budapest, mit dem Firmengründer & Geschäftsführer über die aktuellen Entwicklungen.

Wizz Air ist als eine Fluglinie der schnellen Entscheidungen bekannt, wie lange hat es von der Planung bis zur Umsetzung ihres neuen Crew Training Center in Budapest gedauert?

Jozsef Varadi:

Von der Idee das Trainingscenter zu errichten, bis zu seiner Eröffnung vergingen gerade einmal acht Monate. Was Sie heute hier sehen ist aber nur die erste Ausbaustufe. Wir wollen die Einrichtung, die für die bestmögliche Ausbildung unserer Crews eingerichtet wurde, zukünftig zu einer Art “Wizz Air Campus” machen. In einer zweiten Ausbaustufe werden wir für unsere Crews auch Übernachtung & Verpflegungsmöglichkeiten vor Ort bieten.

Ist das Trainingscenter exklusiv für ihre Mitarbeiter oder bieten Sie die Einrichtungen auch anderen Airlines zur Nutzung an?

Das Trainingscenter ist exklusiv für unsere Mitarbeiter, hier können wir unsere Crews nach unseren eigenen Unternehmens & Operation Standards unterrichten und stellen damit unser hohes Sicherheitsniveau sicher.

Sie haben zu Beginn des Jahres mit der Aufnahme von Flügen ab Wien begonnen. Warum kam es zu dieser schnellen und völlig überraschenden Entscheidung?

Ich darf Ihnen erzählen, dass ich das erste Mal bereits vor 12 Jahren am Wiener Flughafen zu Gesprächen war. Vor acht Jahren als Skyeurope Airlines bankrottging, waren wir wieder in Wien um in den Markt einzusteigen, doch man wollte zum damaligen Zeitpunkt keine neue Low Cost Fluglinie. Der Flughafen hat aber seine Position inzwischen überdacht, weshalb nicht nur wir, sondern auch andere Fluglinien gekommen sind. Im Grunde genommen hatten wir immer schon Interesse an Wien, alleine wegen seiner geografischen Nähe zu unseren wichtigen Märkten in Ungarn, Tschechien und der Slowakei. Wizz Air brachte nicht nur die neueste Technologie nach Wien, sondern mit unserem neuen Airbus 321, auch das Flugzeug mit den derzeit niedrigsten operativen Kosten. Aktuell wirbeln die Low Cost Airlines ganz viel Staub auf, ich wette aber mit Ihnen, dass sich die Situation wieder beruhigen wird. Wir haben jedenfalls langfristige Pläne.

Wie zufrieden sind Sie bislang mit der Entwicklung?

Soweit sind wir mit der Entwicklung sehr zufrieden, wir haben uns am österreichischen Markt etabliert und bislang liegen wir voll im Plan.

Vor wenigen Wochen hat der neue Austrian Geschäftsführer Alexis von Hoensbroech, den Low Cost Airlines den Kampf angesagt. Er möchte mit preiswerten Flugtickets um die Gunst der Passagiere kämpfen. Was sagen Sie dazu?

Ich befürchte ich verstehe nicht ganz von was er spricht? Am Ende des Tages entscheiden die operativen Kosten einer Fluglinie über Erfolg oder Misserfolg einer Strecke. Meine Kosten pro Sitz liegen in etwa bei einem Drittel der Kosten von Austrian Airlines. Wie kann also eine dreimal so teure Airline gegen uns konkurrieren?

Derzeit gibt es ja mit Wizz Air, LEVEL, Eurowings und Laudamotion einen so genannten Low Cost Boom in Wien, rechnen Sie mit einem harten Konkurrenzkampf im kommenden Sommer?

Aus der Passagierperspektive sollten Sie derzeit so viel Fliegen wie möglich! Die Ticketpreise sind niedrig wie noch nie, der Sommer wird also großartig für den Kunden. Schlussendlich wird sich das Business aber wieder konsolidieren, einige werden den Markt verlassen, andere ihr Streckennetz anpassen. Wir sind vorbereitet, werden unsere Pläne in Wien weiter verfolgen und das Geschäft in Zukunft ausbauen.

Sie haben mehr als 200 Flugzeuge bestellt, sollte sich das Geschäft weiter gut entwickeln, könnten Sie sich vorstellen zusätzliche Flugzeuge in Wien zu stationieren?

Das ist unser Plan! Wir starten zunächst mit fünf Flugzeugen die wir in Wien stationieren. Wir werden sehen wie sich das Geschäft entwickelt, alles durch kalkulieren und wenn wir zufrieden sind werden weitere Flugzeuge folgen.

Martin Dichler (Dezember 2018)
Das Interview wurde im Branchenmagazin traveller veröffentlicht: