in im Gespräch

100 Tage LEVEL Flugbetrieb

Vor knapp 100 Tagen startete die österreichische Low Cost Airline LEVEL sein Flugprogramm zu 14 Destinationen in Europa. Innerhalb einer kurzen Zeitspanne gelang es der IAG Tochter nicht nur eine gute Reputation bei seinen Kunden zu erlangen, sondern auch bei den zahlreichen Partnern der Branche. Martin DICHLER sprach nach knapp 100 Tagen Flugbetrieb mit Frank Glander, der als verantwortlicher General Manager Operations & A321 Pilot, die Fluglinie mit seinem Team innerhalb weniger Wochen in die Lüfte brachte.

Bei ihrer ersten Pressekonferenz haben Sie von einem konservativen Zeitplan beim Start des LEVEL Flugbetriebes gesprochen. Wie lautet ihr persönliches Resümee nach 12 Wochen Flugbetrieb als verantwortlicher General Manager Operations?

Frank Glander:

Wir haben einen robusten Zeit- und Ramp-Up-Plan entwickelt. Die Branche sah sich jedoch mit unerwarteten und beispiellosen Störungen konfrontiert. LEVEL war leider, wie die meisten Fluggesellschaften, auch betroffen, aber unser Betrieb war widerstandsfähig.

In ganz Wien und sogar am Stephansdom sieht man derzeit Plakate ihrer aktuellen LEVEL Werbekampagne. Liegt die Fluglinie mit seinen Ticketverkäufen und der Auslastung seiner Flugzeuge im Plan oder ist der Markt doch schwieriger zu erobern als ursprünglich vermutet?

Der Wiener Markt ist attraktiv und hat daher die Aufmerksamkeit verschiedener Airlinemarken auf sich gezogen. Wir setzen unseren Marktentwicklungsplan um, der sowohl außergewöhnliche Aktionen, wie die am Stephansdom, sowie traditionelle Ansätze beinhaltet. Wir sind mit der Entwicklung zufrieden, die wie erwartet verläuft.

Mit Porto, Sevilla und einem TUI Vollcharter nach Hurghada sind ja bereits einige neue Sommerdestinationen für 2019 bekannt geworden. Wie viele Flugzeuge werden für LEVEL im nächsten Sommer im Einsatz stehen und wird wieder ein Schwerpunkt ihres Angebotes in Spanien liegen?

Für 2019 planen wir ein solides Wachstum. Besonders wichtig für LEVEL ist neben der Sicherheit auch die Zuverlässigkeit. Dies spiegelt sich auch in unserer Wachstumsstrategie wider. Auch die Qualität ist uns besonders wichtig und hier gehen wir keine Kompromisse ein – weder bei der Schulung unserer Mitarbeiter noch bei der Weiterentwicklung unserer Produkte. Diese Leistung wird von unseren Kunden geschätzt. So soll es auch in Zukunft sein. Neue Ziele werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Sie haben sich innerhalb kürzester Zeit nicht nur einen guten Ruf bei ihren Kunden und Partnern erarbeitet, sondern zuletzt auch ein Lob von der Gewerkschaft VERDI VIDA für ihr Engagement beim Thema Kollektivvertrag und Gründung eines Betriebsrates erhalten. Was waren die Beweggründe für diesen Schritt?

Wir sehen den Betriebsrat und den Kollektivvertrag sowohl für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber als etwas Positives. Ein gutes Arbeitsumfeld ist uns bei LEVEL besonders wichtig. Dazu gehört auch eine offene und transparente Kommunikation. Aus diesem Grund sehen wir die Etablierung eines Betriebsrates in unserem Unternehmen als logische Konsequenz. Dieses Signal ist auch in Hinblick auf Rekrutierung von neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wichtig.

Abschließend noch eine Frage an den Piloten Frank Glander. Es verging diesen Sommer kaum ein Tag, wo nicht Flugverspätungen ein Thema gewesen wären. Woran lagen die Probleme ihrer Meinung nach, an der fehlenden Infrastruktur am Boden – den überlasteten Luftraum in Europa – neuen Wetterphänomenen oder am ambitionierten Flugplan mancher Fluglinie?

Europa erlebt einen überlasteten Luftraum, der alle Fluggesellschaften dazu herausfordert, Störungen und Verzögerungen zu vermeiden. Für uns ist es wichtig, geeignete Resilienzmechanismen in den Flugplan aufzunehmen und Verzögerungen so weit wie möglich zu vermeiden oder zumindest zu minimieren. Es ist ein europäisches Problem, das die Zusammenarbeit aller Akteure auf allen Ebenen und in allen Regionen erfordert.

Martin Dichler (Dezember 2018)
Das Interview erschien im Branchenmagazin traveller und im Vereinsmagazin Approach.