Ribnica Brücke

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Grüße aus Titograd

Montenegros Hauptstadt Podgorica hat den Namen zu Ehren des ehemaligen jugoslawischen Staatspräsidenten erst im Jahr 1992 abgelegt, doch der Charme des früheren Jugoslawiens ist geblieben.

Wer große Sehenswürdigkeiten in Podgorica erwartet, ist hier definitiv falsch am Platz, den die heutige Hauptstadt Montenegros wurde während des zweiten Weltkrieges bei 80 Bombardements in Schutt und Asche gelegt. Podgorica als kleinste Hauptstadt der ehemals sechs Teilrepubliken Jugoslawiens zählt heute gerade einmal 192.000 Einwohner, was rund einem Drittel der Bevölkerung des Landes entspricht. Mit 621.000 Einwohnern und einer Fläche von 13.812 Quadratkilometern zählt Montenegro zu den kleinsten Ländern in Europa. Trotzdem hat die Hauptstadt eines Landes voller Naturschönheiten auch ihren Reiz.

Die Geschichte von Podgorica als Hauptstadt ist noch relativ jung, den bis zum Jahr 1918 war Cetinje, eine Stadt zwischen Podgorica und Budva mit rund 14.000 Einwohnern der Amtssitz des montenegrinischen Präsidenten. Inzwischen hat sich aber Podgorica zu einer angesehenen Universitätsstadt entwickelt, die mit ihren vielen Parks und Straßencafés gerade bei der jungen Bevölkerung des Landes sehr beliebt ist. Der Treffpunkt der Jugend befindet sich rund um den Trg Republike (Platz der Republik), hier laden Boutiquen und Cafés zum verweilen ein. Die ältere Generation Podgoricas trifft sich gerne in einem der zahlreichen Parks der Stadt oder nahe der Altstadt, wo die Spuren des osmanischen Einflusses (1474-1879) noch bis heute unübersehbar sind.

Uhrturm

Schlendert man am historischen, neunzehn Meter hohen Uhrturm aus dem Jahr 1667 vorbei, hier befindet sich übrigens auch eines der bekannteren Lokale der Stadt, dass „Pod Volat“ macht angeblich die besten Cevapcici der Stadt, kommt man durch kleine Gassen vorbei an der Moschee zu einer der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Podgoricas, die Ribnica Brücke.

Ćevapčići

Diese Steinbrücke wurde im 16. Jahrhundert von den Römern errichtet und gilt damit als eine der ältesten Brücken Podgoricas. Die Brücke welche an einer Flussmündung liegt und dessen glasklares Wasser zum Baden einlädt, wird von den Einwohnern der Stadt nicht nur in den sehr heißen Sommermonaten zur Abkühlung genutzt, sondern auch vom älteren Publikum zum Angeln. An diesen magischen Ort abseits des Großstadtlärms hat es fast den Anschein, als wäre die Uhr stehen geblieben, hier könnte man meinen, dass man sich immer noch im früheren Ex-Jugoslawien befindet. Während die restlichen Hauptstädte des einstigen jugoslawischen Länderverbundes ihr Gesicht seit ihrer Unabhängigkeit rasant geändert haben, ist diese Entwicklung in Podgorica deutlich langsamer vorangeschritten.

Stadtmauer

Ein Blick vor die Stadttore zahlt sich aus

Wer einen Blick auf die Geschichte der Region machen möchte, der sollte einen kurzen Abstecher vor die Tore der Stadt machen. In Doclea zeugen Ausgrabungen einer illyrischen, römischen und byzantinischen Stadt noch heute von der großen geschichtlichen Vergangenheit des Landes.

Einer der schönsten (künstlichen) Wasserfälle Montenegros liegt am Fluss Cijevna. Dieser Fluss entspringt an der Grenze zu Albanien und befindet sich nur wenige Kilometer vor den Toren der Hauptstadt, nahe des Flughafens. Der kleine „Niagara Fall“, wie dieser Ort tatsächlich genannt wird kann leider nur mit dem Auto über eine holprige Zufahrtstrasse erreicht werden, belohnt den Besucher aber mit einem eindrucksvollen Naturschauspiel. Durch das künstliche Aufstauen des Flusses durch die Anwohner ist ein spektakulärer Wasserfall entstanden, der nicht nur leicht zugängig ist, sondern mit seinem Restaurant am idyllischen  Flussufer inzwischen auch zu einer kleinen Touristenattraktion geworden ist.

Wasserfall

Podgorica ist tatsächlich arm an Sehenswürdigkeiten im Vergleich zu vielen anderen Hauptstädten Europas, wie mir auch meine Reiseführerin Ana (www.podgorica.travel) bei einem 90-minütigen Rundgang durch Podgorica bestätigt. Montenegro bietet aber so viele Naturschönheiten, wie seine Berge im Norden und die Strände im Süden des Landes, dass ein Besuch der Landhauptstadt eigentlich immer nur während einer Durchreise eingeplant wird. Vielleicht trägt aber gerade dieser Umstand auch dazu bei, dass Podgorica sich seinen jugoslawischen Charme bis heute erhalten hat.

Martin Dichler

travel industry professional
tip 03 | 23

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